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04.12.2007 - Interview mit einer Beamtin der Einsatzhundertschaft


Nachdem wir bereits mit den Ultras Essen in einem Interview über das Thema Probleme mit Polizeikräften gesprochen haben, kommt nun auch die Gegenseite zu Wort. Eine Beamtin der Einsatzhundertschaft Essen stand uns freundlicher Weise für ein Interview zur Verfügung.

Wir hoffen, dass dieses Interview die Arbeit und Sichtweise der eingesetzten Polizeikräfte bei Fußballspielen den Fans verständlicher machen kann.


Wie bist du zur Polizei gekommen und war das schon immer dein Traumjob?

Ja, das war schon immer mein Traumjob.
In der zehnten Klasse habe ich bereits mein Schülerbetriebspraktikum bei der Polizei gemacht, was mir schon damals sehr gut gefallen hat. Nach meinem Abitur bin ich dann auch tatsächlich zur Polizei gegangen. Zunächst habe ich drei Jahre an der Fachhochschule für öffentliche Verwaltung im Fachbereich "Polizeivollzugsdienst" in Dortmund studiert, bis ich nach Beendigung des Studiums nach Essen gekommen bin, wo ich ein Jahr Streifendienst in der alten Gerlingwache, also der PI Mitte, versehen habe. Danach bin ich dann in die Essener Einsatzhundertschaft gegangen, in der ich jetzt seit über zwei Jahren arbeite.


Meldet man sich für die Einsatzhundertschaft freiwillig?

Man kann sich freiwillig melden. Wenn es nicht genug Freiwillige gibt, wird man für drei Jahre dazu verpflichtet. Ich habe mich freiwillig gemeldet, weil der Dienst in der Einsatzhundertschaft eine Abwechselung zum Streifendienst darstellt. Nach der Verwendungszeit in der Hundertschaft versieht man in der Regel wieder Streifendienst in einer Wache.


Wodurch unterscheiden sich denn der Streifendienst und der Dienst in der Einsatzhundertschaft?

Im Streifendienst arbeiten die Kollegen in den bambusfarbenden Hemden (lacht), also in der bekannten Uniform, die zukünftig auch in NRW mal blau werden wird. Das ist ganz normaler Schichtdienst im Wechsel, Früh-, Spät- und Nachtdienst, in dem die ganzen 110 Anrufe durch die Kollegen bearbeitet werden. Es werden Verkehrsunfälle und Einbrüche, Streitigkeiten, Schlägereien sowie Anzeigen sämtlicher Art aufgenommen. Alles, was im täglichen Leben eben anfällt.

Die Einsatzhundertschaft ist eine geschlossene Einheit, deren Haupteinsatzgebiet Fußballspiele und Demonstrationen sind, aber auch z. B. Begleitung von Castor-Transporten oder Veranstaltungen wie der G8-Gipfel, also zumeist Einsätze, die sich nicht spontan ergeben, sondern schon im Vorfeld bekannt sind. Davon abweichend gehören auch die Suche nach Vermissten und beispielsweise die Absperrung nach einer größeren Schadenslage wie einem schweren Verkehrsunfall oder einem Brand zu unseren Aufgaben. Diese Fälle sind natürlich vorher nicht bekannt.

In Essen bei der Einsatzhundertschaft arbeiten wir unter der Woche im Früh- und Spätdienst und kümmern uns um die Bekämpfung von Hauptunfallursachen. Wir ahnden also z. B. Geschwindigkeitsverstöße oder sonstige Verkehrsordnungswidrigkeiten wie das Telefonieren am Steuer. Ansonsten nehmen wir an Fortbildungsveranstaltungen teil, in denen Eingriffstechniken, Schießtraining und theoretische Grundlagen vermittelt werden. Zudem haben wir jeden Tag die Möglichkeit Sport zu treiben, um fit zu bleiben. Am Wochenende arbeiten wir eben bei den genannten Fußballspielen oder Demonstrationen.


Das sind dann spezielle Einsätze?

Ja genau, das sind dann die "Einsätze aus besonderem Anlass", die im Vorfeld geplant werden. Dazu werden häufig verschiedene Hundertschaften und noch weitere Organisationseinheiten eingesetzt. Wenn die Kräfte des eigenen Bundeslandes nicht ausreichen, wird auch Personal aus anderen Bundesländern angefordert. Liegt der Einsatzort weit entfernt von der eigenen Dienststelle, wird eine Unterkunft, also eine Kaserne oder ein Hotel zur Übernachtung zur Verfügung gestellt. Solche Einsätze sind aber immer im Voraus bekannt, so dass man zuvor seine Sachen packen kann.


Wie viel Prozent machen die Fußballeinsätze aus, kann man das sagen?

Ich würde in etwa schätzen 75 Prozent.


Die Hundertschaft in Essen ist ausschließlich für RWE-Spiele zuständig?

Nein. Wir werden häufig bei RWE eingesetzt, aber nicht immer. Manchmal haben wir frei, wenn RWE spielt oder nehmen einen anderen Einsatz war. Früher wurden die Hundertschaften nur bei Fußballspielen eingesetzt, die im eigenen Regierungsbezirk ausgetragen wurde. Deshalb waren wir Essener nicht bei Spielen in Dortmund oder Gelsenkirchen, obwohl sich die geringe Entfernung angeboten hätte. Mittlerweise wurde diese Regelung geändert und wir werden zu Spielen in ganz NRW eingesetzt. Dazu existiert eine Koordinierungsstelle in NRW, die die Einsätze für die Hundertschaften plant. Theoretisch könnten wir auch für ein Fußballspiel in einem anderen Bundesland angefordert werden. Das habe ich persönlich aber noch nicht erlebt. Wenn wir in andere Bundesländer fahren, dann ist meistens eine Demonstration der Einsatzanlass.


Wie ist eine Hundertschaft aufgebaut?

Eine Hundertschaft besteht aus drei Zügen á ca. 38 Personen, angeführt von einem Hundertschaftsführer und dessen Stellvertreter, dem Hundertschaftstruppführer.
Die Züge an sich haben jeweils einen Zugführer, einen Zugtruppführer, drei Gruppenführer und drei Halbgruppenführer. Alle anderen sind Gruppenbeamte, die keine führende Position haben.


Wie sieht so ein Tagesablauf aus, an dem ein Fußballspiel ansteht?

Dienstbeginn ist immer etliche Stunden vor Anstoß des Spiels. Nachdem sich alle Beamten umgezogen und die Fahrzeuge abfahrbereit gemacht haben, wird dann eine Besprechung durch den Zugführer gehalten, der zuvor schon durch den Hundertschaftsführer eingewiesen wurde. Der Zugführer klärt seine Beamten in der Besprechung darüber auf, wie viele Fans erwartet werden, mit welchem Verkehrsmittel diese anreisen, ob es in der Vergangenheit Probleme zwischen den einzelnen Gruppierungen gab etc. Danach werden dann die Aufträge verteilt, damit jeder weiß, welche Aufgabe er zunächst wahrzunehmen hat.


Also wird die Einsatzhundertschaft beispielsweise darüber informiert, dass Essen eine Fanfreundschaft zu Bremen unterhält?

Ja. Wir werden über bestehende Freund- und Feindschaften informiert. So wissen wir also auch, welche verschiedenen Gruppierungen sich gegebenenfalls zusammenschließen. Das ist natürlich auch wichtig für die An- und Abreise der Fans. Es kann ja vorkommen, dass eine befreundete Gruppe mit dem "Gegner" zusammen reist, weil sie aus der gleichen Richtung kommen.


Wird man vorher explizit über die verschiedenen Gruppierungen und darüber, wie diese einzuschätzen sind, informiert? Stichwort: Hooligans, Ultragruppen oder ähnliches, wie viele werden vom harten Kern erwartet, Erkennungsmerkmale wie Gruppensymbole und so was…

Wir werden darüber informiert, wie viele Gästefans erwartet werden, mit welchem Gewaltpotenzial gerechnet wird und ob die Fanszenen in der Vergangenheit durch Ausschreitungen aufgefallen sind. Dazu wird die Kategorisierung A, B und C verwendet. Dabei fallen natürlich auch die Worte Hooligans und Ultras.


Gibt es Beamte, die sich für Einsätze mit bekannt gewaltbereiten Gruppen freiwillig melden?

Man meldet sich nicht für Einsätze freiwillig. Der Dienstplan gibt vor, welchen Einsatz man wahrzunehmen hat. Das kann der Einzelne in der Regel nicht entscheiden oder beeinflussen. Ich persönlich habe keinen Bock auf Ärger mit dem polizeilichen Gegenüber.


Bist du selber Fußballfan und informierst dich vielleicht privat über Fanszenen oder Gruppen?

Nein, Fußball an sich interessiert mich überhaupt nicht. Ich mache aber gerne Einsätze beim Fußball, weil mich die verschiedenen Fans einfach interessieren. Viele meiner Kollegen spielen aber selbst Fußball und sind natürlich auch Fans.
Das notwendige Grundwissen über die Fanszenen oder Gruppen erhalten wir in der Einsatzbesprechung vor den Spielen. Was darüber hinausgeht, kann man in Eigenregie selbst erarbeiten. Das entscheidet jeder einzelne für sich selbst. Einige machen das sicherlich, andere auch nicht. Ich selbst habe es früher nicht gemacht, tue dies aber jetzt, da ich mich gerade fortbilde und hier das Thema Fußballfans in meiner Abschlussarbeit gewählt habe.


Als Fans hören wir immer wieder, dass gezielt Fangruppen rausgegriffen werden und Sonderkontrollen durchgeführt werden. Die Ultras aus Dresden wurden zum Beispiel vor dem Spiel ins Gewerbegebiet geleitet und dort kontrolliert, anscheinend gezielt. Oder gibt es Infos, wenn Fans bereits auf der Anreise anderen Polizeieinheiten aufgefallen sind?

Vor dem Spiel verfügen wir bereits über Informationen darüber, welches Fanpotenzial mit welchem Zug, Bus oder sonstigen Verkehrsmittel anreisen wird. Diese Auskünfte beziehen wir über die Bundespolizei, die Autobahnpolizei und die Polizeibehörde, in der sich der gegnerische Fußballverein befindet. Wenn es Vorfälle auf der Anreise gab, wissen wir davon, bevor die Fans bei uns eingetroffen sind. Wurden Straftaten oder Ordnungswidrigkeiten begangen, werden Personalienfeststellungen und ggf. Folgemaßnahmen von der Polizei durchgeführt.
Bei dem Spiel gegen Dresden war ich nicht da und kann deshalb nicht viel dazu sagen. Ich habe nur gehört, dass die Dresdener Sachbeschädigungen im Zug begangen und am Bahnhof eine Polizeikette durchbrochen haben.

Beim Magdeburgspiel erhielten wir Kenntnis darüber, dass eine mit einem Reisebus angereiste Gruppe Magdeburger und Braunschweiger Fans fußläufig auf dem Weg zu der Fankneipe "Hattrick" in Altenessen ist. Wir haben die Gruppe dann in der Nähe des Kaiserparks angetroffen, bevor sie das "Hattrick" erreichte.


Wieso kommt es zu unterschiedlichem Vorgehen bei Polizeieinsätzen? Gegen Magdeburg hielt sich die Polizei zurück, als es zu Pöbeleien zwischen Gästefans und der Nord kam, bei anderen Spielen wurde in den Gästebereich eingerückt, wer entscheidet hier über das Vorgehen?

Dazu kann ich nichts sagen. Entscheidung dieser Art trifft meistens der Polizeiführer, also der Einsatzleiter, der sich zuvor ein Bild von der Lage gemacht hat. Aufgrund seiner Einschätzungen der Situation ordnet er das weitere Vorgehen an. Und was bei dem Spiel gegen Magdeburg genau im Stadion stattgefunden hat, kann ich nicht beurteilen, da ich nicht im Stadion eingesetzt war.


Viele Fans, gerade Aktive, fühlen sich von einer starken Polizeipräsenz provoziert oder bedrängt. Welchen Sinn hat das Auftreten hier?

Ich wüsste nicht, warum man sich von der Präsenz der Polizei bedrängt oder provoziert fühlen sollte, wenn man nicht geplant hat, sich rechtswidrig zu verhalten. Ich kann hier die Kritik der Ultras Essen nicht ganz nachvollziehen, auf der Ost ist so gut wie keine Polizei präsent. Und generell hält sich die Polizei da auf, wo potenzieller Weise etwas passieren könnte. Das ist während des Spiels erfahrungsgemäß zwischen Block K und G. Bei den Essener Ultras passiert zumindest bei den Heimspielen ja auch eigentlich gar nichts.


Und vor dem Spiel im Bereich vor der Osttribüne? Hier ist weiterhin viel Polizeipräsenz, zumindest Fahrzeuge, erkennbar. Wie sieht da der Einsatz aus, kann sich der Beamte der Hundertschaft frei bewegen oder wird vorgegeben, wo man zu stehen hat?

Die Dammkrone wird aktuell vor allem als Parkplatz für Einsatzfahrzeuge genutzt, da der Parkraum in Stadionnähe auch für die Polizei sehr rar ist und wir bei unvorbereiteten Ereignissen schnell zu unseren Fahrzeugen kommen müssen, da können wir nicht erst bis ins Gewerbegebiet laufen. Angeordnet wird höchstens, dass Kräfte sich in dem Bereich des Vorplatzes aufhalten müssen. Wo sie sich dann hinstellen, bleibt ihnen überlassen.


Welchen Grund hat die Polizei eigentlich noch, vor der Osttribüne Präsenz in einer so großen Stärke zu zeigen, wie es aktuell wirkt?

Die Polizei unterstützt die Ordner beispielsweise bei Einlasskontrollen. Auch passt die Polizei auf, dass das Stadion nicht von Personen betreten wird, die über ein Stadionverbot verfügen. Außerdem stellen die Beamten einen Schutz für die Angestellten in den Kassenhäuschen dar.


Wo siehst du die Unterschiede zwischen West- und Ostfans, gibt es hier Unterschiede?

Ja, ich sehe da Unterschiede. Für mich habe ich hier festgestellt, dass bei Ostfans eine viel rohere Brutalität zu erkennen ist bei Ausschreitungen. Das ist im Groben bei Westfans nicht so. Ich habe mich beim Einsatz im Rahmen des Magdeburg-Spieles vor dem Hattrick mit einem Essener Hooligan unterhalten, der auch erzählt hat, dass sich viele Ostgruppen nicht an den so genannten Ehrencodex halten. Bei den Magdeburgern hat auch unsere Kontrolle im Nachhinein ergeben, dass diese Leute sehr gut ausgerüstet waren.


Kannst du als Polizistin den Ärger der Fans verstehen, wenn man aufgrund von Maßnahmen deiner Kollegen teilweise zu spät ins Stadion kommt?

Ja, natürlich. Aber die polizeiliche Maßnahme findet ja nur statt, wenn sich vorher ein Vorfall durch diese Gruppe oder einzelne Mitglieder der Gruppe ereignet hat. Wenn die Maßnahme dann etwas länger dauert, werden die Fans ungeduldig. Ich persönlich wäre als unbeteiligter Fan in dem Bus sehr erbost über diejenigen, die sich straffällig verhalten, mir die Situation also eingebrockt haben.

Weil irgendjemand "cool" sein und sich beweisen wollte, sitzen die Unschuldigen mit im Boot. Die Verursacher melden sich ja nicht und sagen, dass es sich bei ihnen um die Schuldigen handelt und die anderen nichts damit zu tun haben. Aber die Fans machen nur die Polizei für die Maßnahmen verantwortlich. Dabei ist das Ganze so einfach. Wer sich nicht rechtswidrig verhält, wird auch nicht mit der Polizei konfrontiert. Der Großteil der Stadionbesucher wurde noch nie Adressat einer polizeilichen Maßnahme bei einem Fußballspiel, weil er sich gesetzeskonform verhält.


Wird darauf Wert gelegt von Seiten der Einsatzleitung, dass Einsätze oder Maßnahmen für die Fans transparent gestaltet werden? Dresden hat Beamte, die den Gästefans über Lautsprecher Maßnahmen am Stadion erklären.

Natürlich wird wert darauf gelegt. Wenn die Polizei Maßnahmen gegen eine Person trifft, stellt das einen Grundrechtseingriff für die Person dar. Die Polizei ist dazu verpflichtet, Grund und Art der Maßnahme so zu erläutern, so dass der Betroffene das versteht. Gerade die nordrhein-westfälische Polizei vertritt ein deeskalierendes Konzept, die sog. NRW-Linie.
Bei uns werden teilweise auch Lautsprecherdurchsagen durchgeführt, in denen den Gästefans am Bahnhof erklärt wird, dass sie mit Bussen zum Stadion gebracht werden, aber keine Flaschen mit in den Bus nehmen dürfen. Außerdem wird ihnen mitgeteilt, dass sie sich nicht in die Busse drängen sollen, wenn diese voll sind, da immer genügend Busse vorhanden sind. Die Fans können sich nach erfolgter Durchsage darauf einstellen und verfallen nicht in Panik, wenn sie keinen Platz in den ersten Bussen erhalten haben.


Welche Möglichkeiten habe ich denn als Fan ganz konkret, mich zu wehren, wenn ich mich durch Polizisten ungerecht behandelt fühle? Die Dienstnummer erhalte ich meist nicht.


So etwas wie eine Dienstnummer haben wir in NRW gar nicht. Das ist meiner Meinung nach eine Sache, die in Filmen vermittelt wird. Wenn ein Kollege seinen Namen nicht nennen sollte, ist zumindest seine Einheit über die Kennzeichnung auf dem Helm zu erkennen. Man muss als Polizeibeamter nicht seinen Namen nennen, wenn dadurch die Amtshandlung beeinträchtigt oder der Beamte eventuell gefährdet wird. Jede Maßnahme der Polizei wird protokolliert. Zudem wird festgehalten, welcher Beamte die Maßnahme durchgeführt hat. Wenn man sich also als Bürger beschwert, weil man sich ungerecht behandelt fühlt, können die eingesetzten Beamten über das Einsatzprotokoll ermittelt werden. Das läuft dann auf interner Ebene. Es dürfte ja verständlich sein, dass kein Kollege erfreut darüber wäre, wenn das polizeiliche Gegenüber vor seiner Haustür steht, wenn er nach Hause kommt.


Kannst du es nachvollziehen, dass viele Ultra-Gruppen mittlerweile zu gar keinem Gespräch mit den Sicherheitskräften mehr bereit sind?

Es ist in meinen Augen unsinnig zu sagen, dass man nicht mehr mit der Polizei sprechen wird. Vielleicht versucht man gerade durch ein Gespräch mal grundsätzliche Missverständnisse aus dem Weg zu räumen. Die Fans erwarten von der Polizei, differenziert behandelt zu werden, aber selbst kommen sie dieser Forderung nicht nach.


Ist es denn schwer, sich unter Kontrolle zu halten, wenn man im ständigen Kontakt mit Fans oft beleidigt oder angepöbelt wird, beispielsweise bei Zugfahrten?

Nein, es ist nicht schwer, sich unter Kontrolle zu halten. Man muss sich als Polizist aber nicht alles gefallen lassen. Jemand der die Polizei so bewusst provozierend beleidigt, wie das Grölen von A.C.A.B. Aussprüchen in Gegenwart der Polizei, der will in meine Augen sanktioniert werden. Und wenn der Betroffene dann die Konsequenzen dafür tragen muss, war die Polizei wieder böse.


Wie nimmt man als Polizist Beleidigungen wie "ACAB", "1312" oder Ähnliches auf? Kennt ihr die überhaupt?

Ja, klar, die Bedeutung kennen wir schon. Neu für mich ist die Abkürzung "CHWDP", die wohl aus dem polnischen Raum stammt. Dies habe ich mit der dazugehörigen Erklärung im Internet gelesen. Das ist einfach nur albern in meinen Augen. Aktive Fans, die für mehr Rechte in den Stadien kämpfen, und fordern, dass ihnen seitens der Ordnungshüter mehr Vertrauen und Toleranz entgegengebracht wird, können doch nicht ernsthaft glauben, dass sie das mit Ausrufen dieser Art erreichen.

Ich nehme derartige Aussprachen nicht persönlich, frage mich aber, warum man so etwas von sich gibt. Ich denke, dass viele sich dadurch in der Gruppe beweisen wollen. Vielleicht erhoffen sie sich eine Ansehenssteigerung in der Gruppe für das "mutige Verhalten".


Ist die Aussage "ACAB" oder eine abgewandelte Form strafbar?

Ja, sie führt in der Regel zu einer Anzeige wegen Beleidigung.


Kann der einfache Beamte selber entscheiden, wann es ihm zu viel wird?

Ja, im Grunde schon. Vor dem Einschreiten erfolgt aber noch eine Absprache mit dem nächsten Vorgesetzten. Erfolgt seitens des Fans eine z.B. eine Beleidigung, die ja eine Straftat darstellt, kann die Polizei die Personalien feststellen und eine Anzeige schreiben. Wenn der Fan sich weigert, seine Personalien anzugeben oder nach erfolgter Aufforderung nicht mit den Kollegen mitkommen will, können die Kollegen die Maßnahme zwangsweise durchsetzten. Dabei bestimmt der Fan den Grad der Maßnahme ja durch sein eigenes Verhalten, was er der Polizei entgegenbringt selbst. Zeigt sich der Fan kooperativ, wird er auch mit den Kollegen keine Probleme haben. Leistet er Widerstand, können die Kollegen unmittelbaren Zwang anwenden.


Es gibt immer wieder Berichte über Maßnahmen wie "ausziehen bis auf die Unterhose auf dem Rastplatz außerhalb des Busses" oder ähnliches. Muss ich mir als Fan so etwas gefallen lassen?

So etwas habe ich noch nie gehört. Deshalb fällt es mir schwer, etwas dazu zu sagen. Generell muss sich der Betroffene der polizeilichen Maßnahme beugen. Sollte eine Maßnahme, wie die oben beschriebene, nicht rechtmäßig gewesen sein, haben die Fans natürlich das Recht, sich im Nachhinein zu beschweren.


Wie sieht es mit Personalienfeststellungen aus? Viele Fans haben Angst, nachträglich aufgrund einer Ausweiskontrolle Stadionverbot zu erhalten.

Es gibt Richtlinien vom DFB, die die einheitliche Behandlung von Stadionverboten regeln. Früher reichte eine Personalienfeststellung aus, um ein Stadionverbot erhalten zu können, wenn zu erwarten war, dass eine Person eine Straftat begeht oder sich an der Begehung einer Straftat beteiligen wird. Das ist in den aktuellen Richtlinien nicht mehr der Fall. Aufgrund einer Personalienfeststellung kann kein Stadionverbot erteilt werden, wenn kein Ermittlungsverfahren eingeleitet wurde. Der DFB hat neue Richtlinien erarbeitet, die ab Februar 2008 in Kraft treten sollen. Dadurch soll die Auferlegung der Stadionverbote gerechter gestaltet und deren Dauer verkürzt werden, da verschiedene Faninitiativen beim diesjährigen Fankongress in Leipzig Änderungsbedarf in Bezug auf die Stadionverbote angeregt haben.


Also gibt der DFB die Richtlinien vor, wo die Polizei Personalien feststellen soll für z. B. ein Stadionverbot?

Der DFB gibt nur die Richtlinien vor, wann ein Stadionverbot ausgesprochen werden kann. ("Richtlinien zur einheitlichen Behandlung von Stadionverboten") In den Richtlinien ist ein Straftatenkatalog aufgeführt. Begeht jemand einen solchen Verstoß, kann die Polizei dem Verein oder DFB den Vorschlag unterbereiten, ein Stadionverbot auszusprechen. Die Polizei verfolgt die Straftaten aber nicht, damit dem Fan ein Stadionverbot erteilt wird, sondern weil sie ihren gesetzlichen Auftrag wahrnimmt und somit verpflichtet ist, die Straftaten zu verfolgen und in diesem Zusammenhang natürlich die Personalien festzustellen.


Ist aus deiner Sicht die immer größer werdende Distanz zwischen aktiven Fans und der Polizei noch zu kitten?

Zumindest würde ich ein Gespräch zwischen den Ultras und der Polizei sinnvoll finden. Aber wie die Ultras ja schon im Interview mit Euch dargestellt haben, kommt eine Unterredung mit der Polizei für sie nicht in Frage. Vielleicht können die Fanvertreter ja als Vermittler dienen.


Wer wäre hier denn Ansprechpartner für Fanvertreter?

Ich gehe davon aus, dass dies am Besten über die SKBs erfolgen sollte. Die kennen schließlich die Fans der Szene und sind eigentlich immer bei den Spielen vor Ort.


Befürchtest du irgendwann Verhältnisse wie in Italien?

Ich würde es nicht als unrealistisch bezeichnen, dass es mal so kommt, wenn nicht miteinander kommuniziert wird.


Gibt es bundesweite Treffen bei dem sich die SKBs oder die Bereitschaftspolizei untereinander austauschen oder Arbeitskreise bilden?

Die SKBs arbeiten mit den SKBs anderer Behörden permanent zusammen. Sie nehmen zusammen an gemeinsamen Fortbildungsveranstaltungen teil. Außerdem findet regelmäßig ein Erfahrungsaustausch zwischen den SKBs statt. In den Hundertschaften findet nach den Einsätzen eine Nachbereitung statt, in der besprochen wird, wie der Einsatz verlaufen ist. Dabei bespricht man, was gut gelaufen ist und was zukünftig anders gestaltet werden soll. Dazu wird auch das polizeiliche Videomaterial ausgewertet. Weiterhin bestehen auch Erfahrungsaustausche mit holländischen- und der Bundespolizei. Die Polizei ist ständig bemüht, Verfahrensweisen zu verbessern und zu optimieren.


Woran erkennt der Beamte Ultras oder Hooligans, außerhalb des Stadions?

Die jeweiligen SKBs weisen uns auf unterschiedliche Gruppierungen hin. Die kennen ihre Leute ja. Außerdem halten die Ultras sich so gut wie immer in einer größeren Gruppe, dessen Mitglieder in der Regel junge Männer sind. Einige der Essener Ultras erkennt man ja auch an dem UE auf der Kleidung. Wenn der Name der Gruppe auf der Kleidung abgebildet ist, kann man die Zugehörigkeit ja schnell erkennen.

Ansonsten sind viele Ultras ähnlich gekleidet. Wenn keine äußerlichen Kennzeichen auf Ultra- oder Hoolzugehörigkeit hindeuten, kann ich keine allgemeingültigen Kriterien nennen, an denen man sie erkennt. Allerdings spricht teilweise auch schon die körperliche Statur für sich. Unter den Hools befinden sich wohl nicht viele Personen, die richtig schmächtig sind. Wenn man dann eine Gruppe antrifft, in der alle Mitglieder augenscheinlich relativ viel Kraftsport betreiben, macht das schon erst mal stutzig. Ich möchte hier aber nicht den Eindruck vermitteln, als wollte ich Personen aufgrund ihrer äußeren Erscheinung stigmatisieren.


Spezielle Informationen gibt es aber nicht, wie z. B. diese und jene Kleidung ist jetzt in Mode - daran erkennt man die Gruppen?

Das kann ich zumindest nicht konkret für alle Gruppierungen aller Vereine sagen.


Vor zwei Jahren gab es den Umbau an der Hafenstraße. Untereinander wurde dieser damit begründet um die Polizeikosten bei RWE-Spielen einzudämmen. Wirklich weniger Polizeipräsenz ist es aber nicht geworden, oder?

Damals, als das Frankfurt-Spiel stattfand, war ich noch nicht bei der Hundertschaft, aber aus Erzählungen weiß ich, dass seitdem weniger Kräfte eingesetzt werden.


Vielen Dank für das Interview.


Das Interview führten Martin Noll, Tim Zähringer und Oliver Perrey