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25.09.2004: Deutschland, 1. Liga: 1. FC Nürnberg - Arminia Bielefeld 1:2

Nach der Auswärtsniederlage in Burghausen bot sich all denjenigen, die nicht direkt wieder Richtung Essen aufbrachen, am Samstag die Moeglichkeit, ein Bundesligaspiel im Süden zu besuchen. Die Wahl fiel zumindest im Fall des Berichterstatters nicht auf das nahegelegene Olympiastadion zu München, da neben der unattraktiven Paarung FC Bayern - SC Freiburg jenes Stadion bereits besucht worden ist. Auf das Frankenstadion in Nürnberg traf dies bis zu diesem Samstag jedoch nicht zu - also keine grosse Frage, zumal man im Auto mitgenommen werden konnte.

Der 'Glubb' aus dem Frankenland traf an diesem sechsten Spieltag auf die Arminia aus Bielefeld, und weil man in der schönen neuen Fussballwelt für jedes Spiel irgendeine passende Umschreibung braucht, um die eminente Wichtigkeit der Partie zu unterstreichen, ersann man für derartige Spiele den Begriff 'Aufsteigerduell'. Tatsächlich sind sowohl Nürnberg als auch Bielefeld 'Neulinge' in der Liga - an Position 1 und 2 stieg man in der Saison 03/04 'mal wieder' in die erste Bundesliga auf, die Arminia zum siebenten, der FCN zum sechsten Mal.

Entgegen aller Erwartungen legte allerdings zumindest der Club einen recht passablen Saisonstart hin, die einzige Saisonniederlage gab es bei einem unglücklich verlaufenen Auswärtsspiel in Hamburg (4-3) und man konnte Stuttgart und Leverkusen Unentschieden abtrotzen. Ganz anders steht es um die Arminia aus Ostwestfalen: Ohne einen Sieg ist man schon wieder genau in den Regionen, in denen sich kein Fan sonderlich gerne aufhält.

Das Frankenstadion, WM-Stätte im ominösen Jahr 2006, ist bequem von der Autobahn aus zu erreichen, und rund um den 'Ground' herum befindet man sich im Umbau. Während der Besucher auf dem Fussweg an Bauten vorbeischreitet, die schon beim ersten Anblick die Gesinnung der Baumeister bzw ihrer Auftraggeber freigeben - der klassische nationalsozialistische Baustil enttarnt sich sofort - ist man zur Zeit damit beschäftigt, den Stadionteil neben der Nordkurve umzudesignen. Auch das elektronische Ticket-System, eine Vorraussetzung für WM-Stadien, ist noch nicht realisiert. Dennoch bekommt man nicht den Eindruck in einem wirklich unfertigen Stadion zu Gast zu sein, wie dies etwa in Duisburg oder auch Frankfurt der Fall ist.

Weil heute kein spielerischer Leckerbissen zu erwarten ist und für keinen der beiden Vereine irgendeine grosse Sympathie besteht, fällt die Wahl auf einen Sitzplatz im Unterrang der Südkurve, gegenüber der Nordkurve, (Steh-)Heimat der Nürnberger Fans und nur durch einen 'Family'-Block vom kleinen 'Gästereservat' getrennt. Für 12 Euro - ermässigt - ist die Sicht recht gut, vor allem da praktisch freie Platzwahl im nahezu leeren Block herrscht.
Beim Thema leerer Block fallen nicht nur diverse Sitzbloecke im ganzen Achteck - ja, das Frankenstadion ist genaugenommen ein Oktagon! - auf, sondern auch der relativ spärlich besetzte Gästeblock. Laut eines Bielefelder Berichts, der zwecks einer halbwegs vernünftigen Aussage über die Anzahl der Mitgereisten im Vorfeld konsultiert wurde, bevölkerten etwa 150 Arminen den sogenannten Away-Sektor.

Grösser als heute könnten die Verhältnisse bei den Fans nicht sein, und das, obwohl sich die Mannschaften als Aufsteiger in ihrer Qualität wohl nicht allzu sehr voneinander unterscheiden. Während die in Deutschland derzeit überall florierende Ultra'-Szene in Bielefeld zu grossen Teilen zum Erliegen gekommen ist und sich die Ultras Bielefeld vor einiger Zeit sogar aufgelöst haben, während die Ultras Nürnberg zu den angesehensten und mitgliederstärksten Gruppierungen hierzulande zählen.
Fast schon logischerweise gibt es deshalb auf Nürnberger ein schön anzusehendes Intro aus jeweils 3 Reihen Zetteln in rot bzw schwarz, die jeweils das Vereinsemblem und das Stadtwappen, auf relativ breiten Tifobahnen aufgemalt, flankieren. Lediglich die beiden etwas abgedroschenen Spruchbänder, die von 'Glaube-Liebe-Hoffnung' und 'dem Glubb und seiner Stadt' künden, sind etwas schwach - mittlerweile ist so ein simpler Pathos wirklich bei jedem Verein Gegenstand von mindestens fünf Choreographien gewesen.
Auf Bielefelder Seite gibt es lediglich ein paar kleine Fähnchen mit dem Vereinslogo, der Fahne in blau-weiss-schwarz und eine einzelne Fahne mit dem Stadtwappen zu sehen. Merkwürdige Koinzidenz, dennoch.

Das Spiel beginnt mit einem ähnlichen Übergewicht für die Franken, unterstützt von sehr laut rüberkommenden Gesängen der Nordkurve könnte der Club schnell in Führung gehen. In der 18. Minute kommt aber alles anders: Nach einem klugen Pass von Langkamp kommt Buckley von der linken Seite des 16-Meterraums zum Flanken, der Fatmir Vata muss nur noch einnicken und tut dies auch, Eins zu Null für Bielefeld. Vata, ein kleiner Mann mit nicht mehr allzu voller Haarpracht, macht sich sogleich auf in Richtung der Sitzkurve, in der nur ein paar vereinzelte Nürnberger sitzen. Als diese etwas empört reagieren und sogar ein Bierbecher fliegt, schickt er einige angedeutete Küsse in diese Richtung, was ihn nicht unbedingt beliebter beim Heimpublikum macht.

An dieser Stelle fällt es schwer zu sagen, ob die folgende Aktion schon im Vorraus geplant war oder spontan erdacht wurde. Jedenfalls lässt sich 10 Meter vor den eigenen Augen ein Nürnberger dabei beobachten, wie er versucht, eine Bielefelder Zaunfahne mit der Aufschrift 'Freshmaker' zu entwenden. So schnell er auch versucht, den Block zu verlassen: Der Bielefelder Anhang hat es bemerkt und eilt schnellen Schrittes aus dem Gästeblock heraus, die Polizei - heute in schwarz - direkt hinterher. Der Dieb kann offenbar gestellt werden, bevor er den Heimsektor erreicht und am Ende der kleinen Episode ist die Fahne wieder im Besitz der Bielefelder. Für den Rest des Spiels hängt sie nun im Gästeblock.

Bis zur Halbzeit passiert erstmal nichts mehr, weder auf den Rängen, noch auf dem Rasen - was hat bei so einem Spiel für den neutralen Beobachter eigentlich die Priorität? Etwas ratlos über die Antwort auf diese Frage begibt man sich erstmal auf die obligatorische Toilettentour. Diese gehört praktisch wie ein Ritual zu jedem Stadionbesuch, viel weniger aufgrund der Dringlichkeit bestimmter 'Geschäfte', sondern weil ein Studium der Toilettenkritzeleien wenn nicht immer aufklärend, so aber doch in fast allen Fällen zumindest amüsant ist. In Nürnberg ist das Fazit jedoch etwas langweilig, primär dominieren ein paar lieblose Schriftzüge von München blau, ansonsten lässt sich nichts interessantes ausmachen. Kein Vergleich zu den grandiosen (und an diesem Ort unheimlich angebrachten!) 'Anti-Kaiserslautern und Metz'-Schriftzuegen in Burghausen, angebracht von den Saarbrückern.

Die zweite Halbzeit beginnt schwächer als die erste, irgendwie wirkt Nürnberg nicht fähig, den Ausgleich zu erzielen. So wird auch die Unterstützung von den Rängen schwächer, offenbar auch deshalb, weil es innerhalb der Nordkurve zu gewissen Unstimmigkeiten zwischen Ultras bzw deren Vorsänger und einigen so gerne als 'Normalos' bezeichneten Fans kommt. Gegen Ende des Spiels jedenfalls, so erfährt man später, legte der Herr mit dem Megaphon sein Amt nieder und bat anderen Kurvenbesuchern seinen Platz an mit der Aufforderung, es doch 'besser zu machen'. Irgendwann davor oder danach hatte Patrick Owomoyela das 0-2 erzielt, der Bielefelder Anhang zum ersten Mal hörbar den Ruf 'Auswärtssieg' angestimmt und damit tatsächlich etwas anderes als die sonst üblichen 'Bielefeld' oder 'Arminia'-Rufe von sich gegeben - grandios.

Faszinierend ist dabei zu sehen, wie symptomatisch die Aufteilung der riesigen 'Ultras Nürnberg'-Fahne für die Nordkurve des Clubs an diesem Tag steht. Hinter dem ersten Teil, auf dem das Wort 'Ultras' prangt, versammeln sich offenbar hauptsächlich selbige und ihre Sympathisanten - man sieht viel Bewegung und kann erahnen, dass vor allem von dort die teilweise schönen Gesänge getragen werden. 'Nürnberg' hingegen, der dritte Teil (den zweiten bildet das Logo der Gruppe, ein durchaus als gelungen zu bezeichnendes Männchen mit Bierkrug), schweigt. Vielleicht ist das sogar nicht nur für Nürnberg heute, sondern irgendwie für fast ganz Deutschland bezeichnend. Der Bruch zwischen Ultras und vielen anderen Fans wird vor allem dort immer mehr offenbart, wo der Erfolg ausbleibt - in der unaussprechlichen Nachbarstadt etwa, oder in Hannover. Bleibt abzuwarten, was die Zukunft in dieser Sache bringt.

Weil das Spiel auch nach dem Anschlusstreffer durch den eingewechselten Kiessling in der 76. Minute nicht den Anschein erwecken mag, nochmal zu kippen und einige Fans der Mannschaft zudem mitteilen, dass sie sie kämpfen sehen möchten, ist von einer spannenden Schlussviertelstunde kaum zu reden. Der Grossteil der 17690 Zuschauer, übrigens eine etwas enttäuschende Zahl, geht also unzufrieden nach Hause und hofft darauf, dass es beim nächsten Mal besser gemacht wird - auf dem Vorsängerpodest hatte es zumindest heute niemand versucht. (dk)



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