[ Jawattdenn.de - Saison 2007/08 ]      

 





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09.08.08 - 1:3 (1:1)


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15.08.08 - 18:30 Uhr
PGW Arena Lotte


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Bericht: Regionalliga-Nord | SG Dynamo Dresden - Fortuna Düsseldorf 0:0


Abschied von einer Kultstätte

Zwei Clubs mit vielen Gemeinsamkeiten, dennoch ist Dynamo Dresden unserem RWE einen kleinen Schritt voraus: Im Oktober sollen die Abrissarbeiten des Rudolf-Harbig-Stadions beginnen, welches einer modernen Fußballstätte weichen wird. Grund genug für uns ein letztes Mal ein Spiel im alten Stadion zu besuchen.

Bereits 1896 wurde das Gelände, auf dem das Rudolf-Harbig-Stadion steht, zum ersten Male als „Sportstätte“ erwähnt, der Bau des Stadions in seiner heutigen Form geht allerdings auf das Jahr 1921 zurück. Ein Bürger der Stadt wollte damals eigentlich einen Zierbrunnen stiften, die Geldentwertung war allerdings so hoch, dass er kurzentschlossen das Geld letztlich in den Bau eines Stadions steckte. Damals als „Kampfbahn der Stadt Dresden“ erbaut, fasste es ab 1923 bereits Platz für 24.000 Zuschauer.

In der Bombennacht des 13. Februar 1945, als alliierte Flugzeuge Dresden fast vollständig zerstörte, blieb auch das Stadion nicht verschont. Schwer beschädigt musste es wieder aufgebaut werden und wurde am 23.09.1951 unter dem Namen Rudolf-Harbig-Stadion wieder eröffnet. Gegner beim Einweihungsspiel waren Dynamo Dresden und Lokomotive Stendal. Dynamo war damals ein Verein der Volkspolizei und in der Stadt hinter dem SC Einheit nur die Nummer zwei. Daher kam es, dass Dynamo das Stadion erst 1957 für sich nutzen konnte, als die SC Eintracht in das damals größere Heinz-Geyer-Stadion umzog.

1969 erfolgte der Bau der Flutlichtmasten, die aufgrund ihres Aussehens schnell den Beinamen „Giraffen“ erhielten, 1979 folgte die elektronische Anzeigetafel. In den Jahren 1976 und 1980 wurde das Stadion vergrößert, bis es endlich eine Kapazität von 38.500 Zuschauern erreichte.

Bereits 1957 übernahm das Ministerium für Staatssicherheit das Stadion und benannte es 1971 in „Dynamo-Stadion“ um. Erst nach der Wende wurde 1990 wieder auf den alten Namen Rudolf-Harbig-Stadion zurückgegriffen. DfB- und FIFA-Normen zwangen 1992 zu einem erneuten Umbau des Stadions. Im Zuge dessen musste das Fassungsvermögen auf 32.500 gesenkt werden. Dies war bis auf kleinere Sanierungen bis dato der letzte Umbau.

Am Mittwoch kam es somit zum vielleicht letzten richtigen Spitzenspiel vor Beginn der Abrissarbeiten. Dynamo Dresden traf auf den Tabellenführer Fortuna Düsseldorf. Etwa 200 Düsseldorfer waren unter den insgesamt 13.133 Zuschauern, die ein besseres 0:0 sahen. Dynamo hatte die erste Chance durch Oldie Marek Penksa, die von Gäste-Keeper Michael Melka aber vereitelt wurde. Danach nahm die Fortuna das Heft in die Hand. Einen schön gezirkelten Freistoß von Markus Anfang konnte SGD-Keeper Oliver Herber glänzend abwehren (10.), ein Lambertz-Kopfball aus wenigen Metern ging neben das Tor. Erst nach gut 30 Minuten konnte Dynamo sich befreien und bis zur Pause das leicht bessere Team stellen. Tormöglichkeiten gab es aber keine mehr. Auch in der zweiten Hälfte konnte man sehen, das Dresden und Düsseldorf aktuell die abwehrstärksten Vereine der Liga sind. Dynamo drückte zwar auf das Führungstor, doch die Abwehr der Gäste konnte oft klären. Und bei den beiden Malen, in denen dann doch ein Dynamo-Spieler durchkam, reagierte Fortuna-Keeper Michael Melka gegen Pavel Dobry und Lars Jungnickel fantastisch. Auf der Gegenseite musste auch Oliver Herber noch einmal mit einem sensationellen Reflex eingreifen, als er einen Ball, der eigentlich schon an ihm vorbei war, noch mit den Fingerspitzen aufhalten konnte. Ansonsten beschränkte sich Düsseldorf jedoch aufs Verhindern des Rückstandes. Dies änderte sich auch nach Minute 77 nicht, als Martin Stocklasa nach einem wiederholten Trikot-Zupfer mit gelb-rot vom Platz gestellt wurde. Dynamo war selbst in Unterzahl das bessere Team, konnte aber keine der Chancen verwerten. Es blieb bis zum Schlusspfiff beim insgesamt recht ansehnlichem 0:0, über 90 Minuten gesehen war es für beide Teams verdient.

Stimmungsmäßig kam man ebenfalls auf seine Kosten. Angepeitscht durch einen Capo wird in den beiden reinen Stimmungsblöcken K1 und vor allem K2 ordentlich Gas gegeben. Diese Stimmung überträgt sich von dort auf das ganze Stadion. Fast ohne Unterbrechung werden 90 Minuten lang Lieder, Anfeuerungen, Wechselgesänge oder Schmähgesänge vorgetragen. Der Capo gibt vor, was gesungen wird, wobei sein Lieblingswort dabei eindeutig „brachial“ ist („Und jetzt mal alle hier und zwar brachial!“). Ende der ersten Hälfte versuchte man dann, ein Lied 10 Minuten durchzusingen, was aber nicht komplett klappte. Zur zweiten Hälfte kamen noch unzählige Fahnen und Doppelhalter hinzu, so dass diese beiden Blöcke sicherlich ein Stimmungs-Highlight im gesamten Bundesgebiet sind. Höhepunkt neben den Fahnen bildete in Hälfte zwei ein gelber Bengalo mitten im Block. Ansonsten blieb es friedlich, auch wenn nach dem Spiel die grünen Unparteiischen ein wenig Mühe hatte, einige Dynamos zur Auflösung der Gästeblockblockade zu bewegen und dabei mit zwei Knallkörpern beworfen wurde. Selbst das Androhen von Personalienaufnahme schien nicht zu klappen. Da diese Androhung aber auch ungefähr 20 Mal per Lautsprecher verkündet wurde, kann man sich denken, warum.

Alles in allem ein gelungener Abend mit sentimentalem Hintergrund. Das Rudolf-Harbig-Stadion in seiner jetzigen Form haben wir zum letzten Mal live gesehen. Wenn RWE im nächsten Sommer in Dresden zu Gast ist, werden die Bauarbeiten schon fortgeschritten sein. Vielleicht haben wir dann mit Dynamo wieder etwas gemeinsam. Hoffen wir, dass beide Teams bis dahin wieder in die Erfolgsspur zurückgefunden haben. Nicht auszudenken, wenn einer oder beide Clubs am Ende nicht zu den ersten 10 der Liga gehören


(tj)


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