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08.11.2006 - Kommentar nach dem Koblenz-Spiel


Zweitligajährlich grüßt das Murmeltier... oder RWE und das Unterhaus

Der geneigte Essener Anhänger fragt sich in diesen Tagen, „Was habe ich nur verbrochen?“ Wurde die Uhr vor wenigen Wochen erst von Sommer- auf Winterzeit zurück gestellt, so wird im Moment analog dazu die Essener Zweitligauhr scheinbar wieder auf die Spielzeit 2004/05 zurück gefahren. Ähnlich prekär zeigt sich die Tabellensituation, ähnlich schlecht bis katastrophal ist die Stimmungslage an und rund um die Hafenstraße. Gerade ist das 0:1 gegen Mitaufsteiger TuS Koblenz in die Annalen eingegangen, da wandert der Blick unwillkürlich zurück in vergessen gehoffte Zeiten.

Wir erinnern uns, kein Spieler, der vor zwei Jahren den direkten Wiederabstieg erlebte, befindet sich noch im Kader. Sieht man vom ausgemusterten, aber noch im Verein befindlichen Hilko Ristau ab. Das Trainergespann Uwe Neuhaus und Peter Kunkel erlebten nur die Endphase einer zu diesem Zeitpunkt bereits restlos verkorksten Saison mit. Der glücklose sportliche Leiter Frank Kontny wurde ersetzt durch Olaf Janßen. Und trotz dieser signifikanten personellen Veränderungen tritt RWE im Herbst 2006 leider scheinbar genauso sang- und klanglos den Weg zurück in die Drittklassigkeit an. Die Parallelen sind frappierend.

Vor zwei Jahren führte eine nicht konsequent durchdachte Kaderplanung zu einer schnellen Ernüchterung. Die Abwehr erwies sich als Schießbude und die Mannschaft wurde entweder schon früh oder meist in der Schlussphase ihrer Siegträume beraubt. Gegen Köln und Frankfurt gingen die Punkte in buchstäblicher letzter Sekunde flöten, anderswo erntete man Packungen wie z. B. beim 1:5 gegen Aue oder dem 1:4 gegen den KSC.

Gewarnt vor diesem Szenario setzte Essens neue sportliche Leitung diesmal darauf, den wunden Punkt der Defensive frühzeitig zu kurieren. Mit Thomas Kläsener und Martin Hysky kamen zwei erfahrene neue Innenverteidiger, auf links sollte der Youngster Pascal Bieler für Konstanz nach hinten und Schwung nach vorne sorgen. Nach den Erfahrungen mit der damaligen „Nummer 1“ Robert Wulnikowski griff man jetzt beherzt, wohl zu beherzt auf dem Torhüter-Basar zu. Andre Maczkowiak und Dirk Langerbein, den etatmäßigen Regio-Keepern, wurden Daniel Masuch von RW Oberhausen und als öffentlich verkündetes Schmankerln Karim Zaza von Bröndby IF zugesellt. Bedingt dadurch, dass in Tor und Verteidigung auch kaum Abgänge im Vergleich zur Vorsaison zu verzeichnen waren, herrschte von nun ab ein Überangebot und ein gesunder Konkurrenzkampf auf dieser zuvor so schwierigen Ebene. Sollte man meinen. Nun, die Defensive und die Keeperposition sind diesmal nicht die neuralgischen RWE-Punkte. Zwar mehren sich auch dort die Fehlleistungen, doch echte Kopfschmerzen bereitet nun die Offensive.

Essen und das Toreschießen in Liga zwei, das sind in dieser Saison zwei Punkte, die sich wohl ausschließen. In sage und schreibe 5 Auswärtspartien trafen die Essener sage und schreibe 0 Mal in des Gegners Tor. Diese Bilanz war für einen Away-Zähler gut. Im heimischen GMS netzten die Rot-Weissen hingegen immerhin 11 Mal in sechs Partien. Viermal allein aber gegen Jena, wo man bezeichnenderweise auch selbst vier Gegentore schlucken musste. So kamen 8 Zähler hinzu. Der Angriff mit Arie van Lent, Alex Löbe und Danko Boskovic im Sturmzentrum ist aufgrund der Gleichartigkeit dieser Spielertypen zu berechenbar besetzt. Der Verlust des torgefährlichen Mittelfeldstrategen Ali Bilgin konnte ebenfalls nicht kompensiert werden. Der Portugiese Paulo Sergio hat zwar einen glanzvollen Namen, bevölkert aber leider mehr die Reha-Zentren der Sportrepublik als das grüne Rasenrechteck. Die Marke schneller Konterstürmer findet sich am ehesten in Serkan Calik, der sich zwar aufopferungsvoll bemüht, aber eben noch keine Zweitligareife besitzt. Fazit, was man sich in der Defensive aufbaute, haute man sich in der „Offensive“ wieder über den Haufen. Genau genommen wiederholte RWE die Planungsfehler von 2004, nur jetzt in der Abteilung „Attacke“, deren Hornsignale bislang in den Weiten der Zweitligaarenen ungehört verhallen. Dieser Umstand ist umso erstaunlicher, als dass dieses Szenario bereits in der Frühphase der Saisonvorbereitung in den Köpfen mehrfach durchgespielt wurde. Unglückseligerweise allerdings nicht in denen der sportlich Verantwortlichen, sondern in denen der Fans, die fortwährend im Internetforum mahnten, dass der Angriff so nicht gut genug besetzt sei. Immerhin hatte Arie van Lent gerade erst eine Bandscheiben-Operation hinter sich, war Alex Löbe in der Vorsaison ebenfalls lange verletzt und genau wie der Niederländer nicht mehr der Jüngste. Hobbytrainer haben sehr häufig Unrecht, leider nicht in diesem speziellen Fall.

So findet sich letztlich ein Kader wieder, der durch vier Torhüter (sic!), einem Überangebot an defensiv ausgerichteten Spielern und einem defizitär ausgestatteten Angriff gekennzeichnet ist. Dass man „Kaderleichen“ wie Ristau und Langerbein nicht an den Mann bringen konnte und ihre Gehälter ohne sportlichen Gegenwert weiter übernehmen darf, sind das I-Tüpfelchen auf die Gesamtsituation. Wohl auch diese Personalien verhinderten eine erforderliche Verstärkung des Sturms. Das Näschen, was Uwe Neuhaus und Olaf Janssen bei der Zusammenstellung des Regio-Kaders so vortrefflich unter Beweis stellten, war in Planungsphase der Saison wohl durch eine Sommergrippe verschnupft und konnte keine heißen Spuren aufnehmen.

Doch trotz dieser Misslagen standen die Essener nach dem 6. Spieltag der Saison im gesicherten Mittelfeld. Nach einem schweren Auftaktprogramm schien man seine Kritiker Lügen strafen zu wollen. Den zu erwartenden Niederlagen in Kaiserslautern und Köln, beide fielen unglücklich und sehr knapp aus, setzten die Hafenstraßen-Kicker Siege gegen Freiburg und Braunschweig entgegen, in Augsburg und gegen Jena gab es zwei Remis. Die Mission Klassenerhalt schien erfolgreich anzulaufen. Zudem putzte man im Pokal Erstligist Cottbus.

Und dann begann er, der unerklärliche oder eben doch folgerichtige (siehe oben) Niedergang der Rot-Weissen. Trotz komfortabler Lage spielte man beim Letzten Kickers Offenbach sein erstes wirklich schwaches Spiel und unterlag mit 0:1. In der Folgewoche führten die Essener mit 2:0 gegen Paderborn. Bis zur 90. Minute und der Nachspielzeit, dann hieß es 2:2. Das Spektakuläre daran, auf den Tag genau zwei Jahre war es her, dass RWE zuhause gegen Köln ebenfalls kurz vor Ablauf des Matches ein 2:0 hergeschenkt hatte. Schiedsrichter in beiden Fällen war der Berliner Manuel Graefe. Liegt ein Fluch über der Hafenstraße? Dass der Fußballgott Essen mittlerweile wohl verlassen hatte, glaubten wir dann eine Woche später zu wissen. Gegen die Spitzenmannschaft aus Karlsruhe bot Essen sein eigentlich bestes Spiel der letzten Wochen unterlag aber durch einen wahrhaften Sonntagsschuss in der, richtig 90. Minute mit 1:2. Fazit bis dato, erst macht man Fehler, dann hat man kein Glück, dann kommt auch noch Pech hinzu.

Und jüngst das 0:1 gegen Koblenz. Und spätestens jetzt stellt sich die Frage nach dem Zeitpunkt des Handelns. Denn – und das ist signifikant anders als 2004 – den Rückhalt in der rot-weissen Fanschar genießt die Mannschaft nicht mehr. Und vor allem ein Mann nicht: Trainer Uwe Neuhaus. Vom ersten Tag seines Wirkens an war der ehemalige Kicker der Rot-Weissen vielen an der Hafenstraße ein Dorn im Auge. Zu ruhig und emotionslos sei er, könne die Mannschaft nicht mitreißen und eigentlich sei auch er aus der zweiten Liga abgestiegen und nicht Jürgen Gelsdorf. All das ist unwahr und vor allem auch unfair. Im letzten Jahr gelang Neuhaus mit einem komplett neu formierten Kader der direkte Wiederaufstieg. Geliebt wurde er trotzdem nicht.

Zwischendurch gab es eine ähnlich schwierige Situation wie jetzt. Ebenfalls Anfang November schienen nach dem 0:3 bei St. Pauli die Essener Aufstiegsaktien tief, tief im Keller und Uwe Neuhaus quasi beurlaubt. Was folgte war eine Siegesserie, die Job und Aufstieg retteten. Also, heißt die Devise erneut Ruhe bewahren? Nun, etwas ist anders, in der Regionalliga konnte sich der rot-weisse Kader aufgrund seiner überzeugenden Qualität durchsetzen. Nun in der zweiten Liga muss er in jedem Match an die Leistungsgrenze gehen, um die Kehrtwende einleiten zu können. Und bislang kann er es nicht. Und zunehmend hilfloser wird der hauptverantwortliche Übungsleiter. Letztjährig zeichnete ihn Ruhe und Überlegung aus. Jetzt versucht er durch Aktionismus wie Aufstellungsroulettes in Tor, Abwehr und Angriff die Situation zu meistern. Ohne Erfolg.

Vor zwei Jahren handelte man nicht, als es notwendig war. Aktuell muss der Vorstand sich die Frage stellen, ob es so weiter gehen kann. Die Antwort glaubt zumindest die Fanszene mittlerweile zu kennen.
Uwe Neuhaus hat es nicht verdient, sich schlimmen Pöbeleien und Anfeindungen auszusetzen. Wie üblich können einige nicht trennen zwischen dem Menschen und dem Trainer Uwe Neuhaus. Aber packen Uwe Neuhaus UND Olaf Janßen es noch einmal? Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt, aber Verantwortung für diese Situation müssen sie wohl oder übel übernehmen, solange es nicht zu spät ist. Im Moment darf oder muss man wohl ernüchtert konstatieren, schlimmer, geht’s eigentlich nimmer.

Wer auch immer am Sonntag in Unterhaching auf der Bank sitzt hat hoffentlich dann ähnliches Fortune wie in der Zeitligasaison 1990/91, denn damals leite RWE in vergleichbar schlechter Position genau an diesem Ort mit einem 2:0 Auswärtserfolg die Trendwende zu einer am Ende geglückten Saison ein.


Sven Meyering




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