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01.06.2005 - Von „Konnt-Nie's", Trainer-Heroen und Knieproblemen…

Die Kritik an Frank Kontnys Einkaufspolitik begann im Sommer spätestens als die Fans in Sachen „Sturm“ ungeduldig wurden. Vielleicht aber auch schon, als es nicht gelang, die erwarteten (und durchaus auch von Vereinsseite angekündigten) Knaller zu verpflichten.

Jürgen Gelsdorfs Wunschkandidat Rainer Plasshenrich entschied sich, seinem Trainer Dieter Hecking von Lübeck aus nach Aachen zu folgen, wo immerhin neben einem wahrscheinlich dickeren Gehaltsscheck auch das Aufstiegsrennen sowie der UEFA-Cup warteten. Der isländische Nationalspieler Thordur Gudjonsson, dem RWE-Trainer aus Bochumer Zeiten bestens bekannt, sollte von der Castroper an die Hafenstraße wechseln. Doch auch dieser Transfer wurde nicht vollzogen. Es schien so, als wäre es unmöglich, zu einer Einigung mit Gudjonsson zu kommen. Kam man sich doch näher, stellte sich angeblich der VfL quer und rief eine, für RWE nicht akzeptable, Ablösesumme aus. War dieses Problem mit dem VfL gelöst, so hatte anscheinend der Spieler wieder wenig Lust auf die Hafenstrasse.
Letztendlich wechselte Gudjonsson, nachdem er im Sommer noch ausschloss, dem Ruhrgebiet den Rücken zu kehren, nach England.

Weniger groß war das Hick-Hack um Hannovers Tschechen Jiri Kaufmann. Hier war der Club gerne bereit, den Spieler abzugeben, eine Einigung erfolgte recht schnell. Problem: Die Gehaltsforderungen des Stürmers, der von seiner Spielanlage her die Nachfolge Benjamin Köhlers angetreten hätte, konnten nicht erfüllt werden.

Doch nicht nur, weil es nicht gelungen war, eine wirklich spektakuläre Verpflichtung bekannt zu geben und man lange Zeit keinen neuen Stürmer finden konnte, wurde Kontny weiterhin kritisiert. Rot-Weiss startete schlecht in die Saison, die Spieler, die in der Sommerpause verpflichtet wurden, enttäuschten zum größten Teil. Lediglich Peter Foldgast wusste wirklich zu überzeugen, zeichnete sich aber auch durch eine gewisse Verletzungsanfälligkeit aus.

Die Probleme in der Mannschaft, vor allem im Sturm, waren offensichtlich, weswegen RWE ein weiteres mal auf dem Transfermarkt tätig werden musste. Kurz vor Ende der Transferperiode im Herbst stand RWE wohl mit mehreren Stürmern in Kontakt, sehr konkret mit 1860 Münchens Bankdrücker Francis Kioyo und dem schnellen Techniker Kenan Sahin aus dem Leverkusener Amateur-Pool. Der Ausgang ist bekannt, Kioyo wurde ausgeliehen, Stammspieler und zunächst sogar Publikumsliebling.

Zog man in der Winterpause Bilanz, wurde deutlich, dass nur die beiden zuletzt verpflichteten Stürmer Foldgast (obwohl er häufig verletzt ausfiel) und Kioyo die Mannschaft wirklich verstärkt hatten. Pikanterweise fallen genau diese beiden Transfers nicht mehr in Kontnys Verantwortungsbereich. Wie nach dem Abstieg bekannt wurde, wurde Kontny noch in der Sommerpause in Sachen Transfers entmachtet und durch die Präsidiumsmitglieder Nico Schäfer und Prof. Dr. Markus Buchberger ersetzt. Da Bruchberger bereits vorher an den Vertragsgesprächen beteiligt war, ist davon auszugehen, dass Geschäftsführer Nico Schäfer die treibende Kraft in Sachen Transfers wurde. Im Winter verpflichtete das Duo Radoslav Kaluzny, Lennart Lynge Larsen, Enrico Gaede und Markus Karlsson. Die Neuzugänge enttäuschten nicht in der Form, wie es die meisten Einkäufe aus dem Sommer getan hatten und zumindest Radoslav Kaluzny entpuppte sich als absolute Verstärkung.

Nachdem Kandidaten für die Offensive wie der Duisburger Miroslav Spizak keine Freigabe erhielten, und dem slowakische Probespieler Robert Rak Knieprobleme attestiert wurden, blieb es jedoch bei den Verpflichtungen der 4 Defensivspieler. Man verließ sich auf die guten Leistungen, die Francis Kioyo in der Vorrunde gebracht hatte, und darauf dass Peter Foldgast in der Rückrunde weniger von Verletzungen geplagt würde. Doch weder blieb Foldgast verletzungsfrei, noch konnte Kioyo seine Leistungen bestätigen. Es kam zu einem unglaublichen Leistungsabfall. Publikumsliebling Kioyo wurde hart kritisiert, und das nicht immer fair (siehe Wulnikowski). Seine Leistungen schienen schlechter zu werden, je mehr und harscher er kritisiert (später auch angefeindet wurde), und natürlich, wurde er je mehr kritisiert, desto schlechter er spielte.

Die Verpflichtung eines weiteren Stürmers wäre in der Winterpause also bitter nötig gewesen, hier haben auch die neuen Verantwortlichen Fehler gemacht. Trotzdem lesen sich ihre Verpflichtungen ungleich besser als die, die in der „Ära Kontny“ getätigt wurden. Frank Kontny aber weiterhin als den Alleinschuldigen an der verfehlten Transferpolitik des Sommers und in letzter Konsequenz auch für den Abstieg darzustellen, ist allerdings nicht gerecht. Zwar wird Kontny Fehler gemacht haben, aber normalerweise ist ein sportlicher Leiter nicht der Alleinverantwortliche für Transfers.

Zu Ende der Aufstiegssaison sagte Jürgen Gelsdorf noch, es wurde eine Liste mit Kontny ausgearbeitet, auf der für Rot-Weiss interessante Spieler vermerkt waren und die es abzuarbeiten galt. Jürgen Gelsdorf war also aktiv in die Planung des Kaders einbezogen, so wie es eigentlich auch sein sollte. Frank Kontny wird garantiert keinen Spieler gegen den Willen von Gelsdorf verpflichtet haben! Im Gegenteil: Einige Spieler, die unter Vertrag genommen wurden, dürften ihre Verträge zum größten Teil Gelsdorf zu verdanken haben. Bei aller Kritik an Kontny sollte man nicht vergessen, dass Gelsdorf einen Sidney bereits aus Osnabrücker Zeiten kannte und wohl deswegen haben wollte. Flops wie Silvio Pätz und Ryan Thomson hatten sich Gelsdorf in Probetrainings präsentiert und wurden nicht von der Straße wegverpflichtet. Hier hatte das Trainergespann die Möglichkeit, sich ein Bild von den Spielern zu machen und diese zu bewerten.

Aber nicht nur im sportlichen Bereich wurden Fehler bei den Neueinkäufen gemacht. Es stellt sich die Frage, ob im Sommer überhaupt sportärztliche Untersuchungen durchgeführt worden sind bzw. in welcher Weise. Natürlich ist es für den normalen Fan nicht möglich die Arbeit der medizinischen Abteilung zu bewerten und dort mehr oder weniger gut gemeinte Ratschläge abzugeben. Auffällig ist es aber schon, dass mit Peter Foldgast, Sandro Schwarz und Nascimento gleich drei potentielle Leistungsträger verpflichtet wurden, die alle während der Saison mit Verletzungen zu kämpfen hatten.

Sandro Schwarz soll seit Saisonbeginn Probleme gehabt haben, womit in der Winterpause seine durchwachsenen Leistungen der Vorrunde verteidigt wurden. Nascimento und vor allem Peter Foldgast galten auch vor ihren Verpflichtungen als verletzungsanfällig.

Nascimento, vor der Leihe nach Essen in Frankfurt beschäftigt, wurde dort aufgrund seiner Anfälligkeit nicht weiterverpflichtet und hatte gerade einmal 2 Einsätze für die Eintracht in der Bundesliga absolviert, da er ansonsten verletzt war.

Peter Foldgast gehörte in Bröndby schon zu den Stammspielern, ehe er von Verletzungen zurückgeworfen und aus der 1. Elf gekegelt wurde. Nur durch seine Verletzungsanfälligkeit ist es zu erklären, dass er überhaupt Thema für einen deutschen Zweitligisten werden konnte.

Ebenfalls dauerverletzt nach seiner Verpflichtung war Silvio Pätz - Andre Wiwerink fiel plötzlich mit zuvor nicht diagnostizierten Herzproblemen (!) aus und auch Daniel Teixeira konnte im Saisonverlauf regelmäßig aufgrund von Verletzungen nicht zum Kader gehören.

Aber wie in Sachen „sportlicher Leiter“ wurden anscheinend auch im medizinischen Bereich Konsequenzen gezogen, welcher Art auch immer..

Die Neuverpflichtungen in der Winterpause kamen mit Ausnahme des Schweden Karlsson, der mit einem Bluterguss zu kämpfen hatte, jedenfalls fit an die Hafenstrasse und blieben in der Rückrunde bis auf die mysteriöse Verletzung, die Lennart Lynge Larsen vor dem Spiel gegen den KSV vom Trainer verordnet wurde, von Verletzungen verschont. Robert Rak wurde sogar, siehe oben, aufgrund von Knieproblemen trotz ansprechender Leistung im Training nicht verpflichtet.

Neben der Konsequenzen, die für das Aufgabengebiet Transfers und augenscheinlich, in welchem Rahmen auch immer, im medizinischen Bereich gezogen wurden, wurde vor wenigen Wochen auch die Arbeit des alten Trainergespanns Gelsdorf/Rieckhof an der Hafenstraße für beendet erklärt. Dieser Schritt scheint im Nachhinein auch bitter nötig gewesen, völlig unabhängig von seinem Wirken auf die Personalpolitik im Sommer. Das Verhältnis zwischen Gelsdorf und der Mannschaft soll, so durfte man zumindest nach dem Abstieg lesen, zerrüttet gewesen sein. Wenn schon Spieler den Trainer zu höherer Trainingsintensität aufgefordert haben sollen, kann irgendwas nicht ganz richtig sein.

Das Rätsel rund um die Beurlaubung Gelsdorfs scheint aber der Zeitpunkt. Während die Ergebnisse bereits im Herbst und Winter schlecht waren und sich auch zu Beginn der Rückrunde nicht großartig besserten, muss das Verhältnis zwischen Trainer und Mannschaft weiter gelitten haben - reagiert hat man trotzdem erst vier Spieltage vor Schluss.

Das scheint sich im Nachhinein als großer Fehler herauszustellen. Während man einem neuen Trainer zu Beginn der Winterpause sogar noch die Möglichkeit hätte geben können, die Mannschaft durch Transfers an sein System anzupassen und neue Reizpunkte zu setzen, arbeitete man mit Gelsdorf weiter. Auch in den ersten Wochen der Rückrunde hätte man die Gelegenheit gehabt, fand aber anscheinend nicht den Mut, Gelsdorf nach guten Leistungen gegen Spitzenteams wie Duisburg und Frankfurt zu entlassen.

Das sollte sich bitter rächen, denn als man schlussendlich doch von Gelsdorf Abstand nahm und kurz vor Saisonende Uwe Neuhaus als Trainer installierte, schien nicht nur das Verhältnis zwischen Mannschaft und Trainer, sondern auch das der Spieler untereinander zerstört. Einer guten Leistung in München folgte jedenfalls der Offenbarungseid im Spiel gegen Fürth. Hier spiegelte sich das gesamte Elend der Saison wieder: Ein extrem schwaches Spiel der Mannschaft, Handgreiflichkeiten in der Kabine und Beleidigung gegenüber Fans und Sponsoren durch vereinzelte Spieler scheinen wohl den absoluten Tiefpunkt der Saison darzustellen.

Die kämpferischen Kommentare, die Uwe Neuhaus nach seiner Verpflichtung verlauten ließ, konnte die Mannschaft ebenso wenig umsetzen wie die zumindest nach Aussen hin propagierte offensive Spielweise, die der neue Trainer in Heim- und Auswärtsspielen einzuführen gedachte. Dass Neuhaus darauf, dass seine Ankündigungen nicht wirklich in die Tat umgesetzt wurden, an der Seitenlinie eher ruhig reagierte, bietet Anlass zur Diskussion. Jeder einzelne Fan muss für sich entscheiden, ob er in der Körpersprache Neuhaus' bereits Resignation erkennt, oder ob der ehemalige Sammer-Assistent einfach nur ein ruhiger Beobachter ist.

Letzteres bleibt zu hoffen, denn Neuhaus wird (zusammen mit einem neuen sportlichen Leiter?) der Hauptverantwortliche sein, wenn es jetzt darum geht, einen neuen Kader zusammenzustellen. Anlass zur Hoffnung geben jedenfalls Aussagen von Spielern, die Neuhaus eine sehr gute Trainingsarbeit bescheinigen und ihm auch taktisch größere Kompetenzen einräumen.

Und da wären wir ja auch schon bei der Zukunft der rot-weissen Mannschaft angelangt! Da könnte man ja eigentlich nen eigenen Artikel zu schreiben, und das wird auch getan. Bis dann, wenn es in ein paar Tagen heisst:

„Von neuen Besen, unserer Lieblingsliga und Aufstiegsträumen"

(hh)



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