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09.03.2005 - Ich sach ma ... Oh immer wieder RWE

Oh immer wieder RWE

Als der Opa des kleinen T. an einem kühlen Samstagmorgen zu ihm sagt, „komm mal mit mein Junge, wir gehen heute zu Rot-Weiss“, weiß er nicht, was ihn erwartet. Kennt er doch nur die großen Vereine, wie Bayern, Kaiserslautern oder Köln (denn damals spielten die Schalker und Dortmunder genauso eine Nebenrolle wie Rot-Weiss Essen selbst). Der kleine T. sagt in seinem naiven Leichtsinn natürlich zu und fährt mit ihm los.

Etwas verspätet, kurz vor dem Anpfiff, kommen Sie dann am Stadion an. Von weitem ist schon das dröhnende Geräusch der Menschenmenge zu hören. Dann ein Augenblick, an den sich wohl viele der Zuschauer noch Jahre zurückerinnern können, selbst wenn sie das Georg-Melches Stadion erst einmal erlebt haben. Kurz vor Erreichen der Haupttribüne kann der Fußballfan einen ersten Blick ins Stadion erhaschen. Vielmehr sieht man plötzlich die legendäre Nordtribüne (denn zu diesem Zeitpunkt war die Westkurve nicht mehr zu betreten). Für den kleinen T. ist es ein riesiges Erlebnis, wobei noch viele interessante Dinge folgen.

Auf dem Stadionvorplatz ist viel los. Würstchenbuden, Fanartikelstände und Polizei sind dort anwesend und auch ein paar Gästefans aus Leverkusen (der aktuelle Gastverein) lassen sich blicken. Doch die Farben „Rot- und Weiß“ regieren. Der Opa und sein Enkel T. gehen schnell zur Kasse an der Osttribüne und kaufen sich zwei Karten. Die Anspannung des Opas ist nun plötzlich immer deutlicher sichtbar. Die Schrittfrequenz erhöht sich und nach dem die Ordner die Karten entwertet haben gehen die beiden auf die Nordtribüne. „Block M“, das ist sein Platz. Nachdem die beiden einen geeigneten Wellenbrecher gefunden haben, laufen die Mannschaften von Leverkusen und Essen auf. Plötzlich ein Lied! Der Opa erklärt: „Das ist das Vereinslied“. Aus den Boxen schallt „seit wir zwei uns gefunden, Adiole“. Doch was machen die Zuschauer? Sie ersetzen das „Adiole“ durch ein „RWE“. Für den kleinen T. sehr unverständlich, doch auch dies wird noch vor Anpfiff schnell aufgeklärt. Überall fliegen Bierdecker und Papierschnipsel herum. Die Mannschaften laufen sich noch ein letztes Mal warm und dann pfeift der Schiedsrichter an. Nach wenigen Minuten foult ein Leverkusener mit der Nummer 5 einen Essener Spieler. „Alle auf die 5“ ertönt es von unserer Tribüne. Die Objektivität des Publikums wird aber erst dann bewiesen, als ein Essener die Nummer 5 umgrätscht und dieser sich vor Schmerzen auf dem Boden wälzt: „Steh auf du Sau...“, hört man von den vielen Zuschauern. Die Stimmung ist gewaltig, trotz eines müden Fußballspiels. Dann ist Halbzeit. Zeit, den Block zu verlassen. Der kleine T. zieht schon ein Resümee, wobei ihm schnell klar gemacht wird, dass man so was erst nach der zweiten Halbzeit macht (dieses Wissen wird er und einige Fans später vergessen haben). Unten, hinter der Nordtribüne, stehen viele Würstchen- und Bierbuden. Der Opa macht sich mit seinem Enkel T. auf und bestellt „zweimal Bratwurst, bitte“. Der Senfeimer ist schnell entdeckt und auch das Wissen, dass man sich selbst bedienen darf. Mit einer Wurst und ca. 5 Kilogramm Senf machen sich die beiden wieder auf, „die 2. Halbzeit beginnt gleich“. Zum Glück ist der Wellenbrecher noch frei.

Der Pfiff des Schiedsrichters lässt die zweite Halbzeit beginnen (immer noch steht es 0:0). Nach ein paar Minuten meldet sich der Stadionsprecher zu Wort: „die offizielle Zuschauerzahl. Das Spiel sehen heute 4706 zahlende Zuschauer/ wobei T. damals dachte, mit zahlende sei das Ende der Zahlen gemeint). Wahnsinn, so viele Menschen, bei einem solch kleinen Verein. Der kleine T. ist begeistert.

Dann ist das Spiel aus. Es bleibt beim 0:0. Weitere Erkenntnisse aus diesem Spiel sind, dass das Spiel an sich 90 Minuten dauert, im Stadion aber irgendwie schneller vorübergehen, dass das rauschen im Fernsehen während einer Fußballübertragung in Wirklichkeit das Produkt vieler Menschen und deren grazilen Stimmen ist und dass man keine 5 Kilogramm Senf für eine Bratwurst braucht. Doch die größte Erkenntnis ist, dass der kleine T. fortan seine Bayern-München-Fankollektion nicht mehr tragen wird und dass in seiner nachgespielten Sportschau nun auch der RWE eine Rolle spielt. Zwar hapert es noch mit den Spielern, doch schon bald wird er seine nächsten Spiele an der Hafenstraße sehen.

Sein persönliches Highlight: Natürlich das Erreichen des Pokalfinals. Doch hier scheitert man an Werder Bremen und der kleine T. an seiner Mobilität und Liquidität, weshalb er dieses Spektakel nur am Fernsehen bestaunen kann.

Wir machen einen Zeitsprung. Der BV Borussia Dortmund steht vor der deutschen Meisterschaft. Es ist das Jahr 1995. Fast das ganze Ruhrgebiet wird Dortmund-Fan. Auch der kleine T., nun schon ein paar Jahre gealtert, lässt sich von dieser Hysterie anstecken. Nun besucht er das Westfalenstadion, fährt auch in andere Städte um die letzten Spiele der Borussia zu bestaunen. Zur gleichen Zeit dümpelt der RWE einige Etagen tiefer in der Regionalliga herum, nachdem ihnen, wie bekannt, ein Jahr vorher in der 2. Liga die Lizenz entzogen wurde. Borussia Dortmund schafft die Meisterschaft und Essen verpasst den Wiederaufstieg und muss sich mit Platz 4, hinter Arminia Bielefeld und den Fußballmächten aus Verl und Salmrohr, begnügen. Doch dies wird in diesem Jahr nur nebenbei wahrgenommen.

Schon ein paar Wochen später zieht es den kleinen T. aus unerklärlichen Gründen doch wieder an die Hafenstraße. Er besucht in dieser Saison nahezu jedes Heimspiel, allerdings ohne seinen Opa, der sich nach dem Lizenzentzug nie wieder an der Hafenstraße blicken lies. So verpasst dieser den Aufstieg in die zweite Liga und das Versprechen der Annette Jäger, dass die Westkurve schon in der nächsten Saison wieder stehen würde.

Die Zweitligasaison ein Jahr später verläuft dann gar nicht nach Plan. Die versprochene Westkurve steht nicht und wird auch nicht gebaut, die ersten Spiele werden ohne Punktegewinne absolviert und schnell wird klar, dass auch ein Angelo Vier alleine kein Team retten kann. Es kommt eine Zeit, in denen sich in Essen vieles verändern wird. Auch die Regionalliga-Saison wird später als „erfolglos beendet“ in die Geschichte eingehen. Der harte Gang in die Oberliga steht an. Eigentlich würde eine perfekte Geschichte nun enden, da wir wieder dort angekommen sind, wo die Geschichte begann, nämlich in der Oberliga. Doch hier endet die Geschichte von Rot-Weiss Essen nicht.

Ein Jahr, im Fußballjargon auch Saison genannt, klappern nun die Anhänger und teilweise auch der mittlerweile nicht mehr ganz so kleine T. die „Stadien“ der Oberliga ab. Schließlich gelingt wenigstens einmal in drei Jahren die Zielerreichung. Der Wiederaufstieg in die Regionalliga setzt neue Kräfte frei. Zum ersten Mal wird über eine Dauerkarte nachgedacht, doch obwohl T. nun alle Heimspiele von RWE sehen wird, kauft er sich diese noch nicht.

Mit der Jahrtausendwende soll auch ein neues Zeitalter in den Regionalligen beginnen. So wird aus 4, 2 gemacht, heißt, dass die zweigleisige Regionalliga (Nord und Süd) gegründet wird. Somit ist klar, dass diese Saison, direkt nach dem Wiederaufstieg, eine besondere Herausforderung werden wird. Doch dank eines guten siebten Platzes wird auch dieses Ziel erreicht. Mit diesem Erreichen schafft man nicht nur den Klassenerhalt, so kommen auch neue, attraktive Gegner hinzu. Auch für T. verändert sich einiges. So finanziert er sich nicht nur eine Dauerkarte, sondern fährt nun auch zu Auswärtsspielen.

Die Saison 2000/01 verläuft zwar nicht planmäßig, doch das primäre Ziel, der erneute Klassenerhalt wird geschafft. Mit ihm entstehen in Essen neue Visionen. Es wird eine neue „Arena“ geplant, das Ziel heißt für diese Saison „Aufstieg“ und auch die Fanszene in Essen wirkt nun strukturierter und trotz der vielen Misserfolge in den Jahren zuvor, wächst diese an. Doch es kommt alles anders. Am letzten Spieltag ist man in Münster bis in die Nachspielzeit aufgestiegen, bis der direkte Konkurrent aus Braunschweig doch noch das entscheidende Tor schießt. Für T. und viele RWE-Fans bricht eine Welt zusammen. So haben sie zwar schon längst eingesehen, dass der Stadionneubau zu diesem Zeitpunkt Utopie ist, doch das Wissen, wie knapp man gescheitert ist, lässt einige unruhig schlafen.

Im Folgejahr dann die Überraschung. So rechnet T. mit einer harten, zuschauerarmen Saison, doch wird er, wie so oft bei RWE, vom Gegenteil überzeugt. Nicht nur das Spiel gegen den VfL Osnabrück, was zum ersten Mal seit vielen Jahren ein ausverkauftes Haus (23.500 Zuschauer) bedeutet, sondern auch das sportliche Geschehen ist überraschend. Die Mannschaft kämpft und die Fans hoffen, bis sie zweimal auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt werden. Mit 0:4 geht das Spiel gegen den Mitkonkurrenten aus Wattenscheid verloren, doch am härtesten trifft das 1:3 gegen Osnabrück das Sportlerherz. Die Aufstiegseuphorie ist gestoppt und diesmal irrt das Gefühl des T. nicht, als er prophezeit, dass man am letzten Spieltag gegen die Amateure von Werder Bremen nicht noch den Aufstieg in die 2. Liga schaffen wird.

So heißt es noch einmal: „Schweineliga“ (powered by A. Weber). Diesmal glaubt T. fest an den Aufstieg, wenngleich er auch berücksichtigt, dass es ein harter K(r)ampf werden wird. Die ersten Spieltage bestätigen aber eher die Meinung vieler Freunde von T., dass es „auch diesmal nichts gibt“. Nach der Entlassung des Trainers, Harry Pleß, und des Kurzeinsatzes von Holger Fach, herrscht „Untergangsstimmung“ an der Hafenstraße. Mittlerweile korrigiert T. seine Meinung zu einem eventuellen Aufstieg nach unten und faselt etwas von einem Platz unter den „Top 5“. Doch auch hier überrascht ihn RWE. Anstatt dieser Erwartungen gerecht zu werden, spielen sie einer der besten Runden seit Jahren. In der Rückrunde sammeln sie genügend Punkte, so dass über 5.000 RWE-Fans gemeinsam den Aufstieg feiern können.

Also doch eine Geschichte mit Happy End? T. ist auch diese Saison bei 80% der Spiele dabei und fiebert die restlichen 20%, von wo auch immer, mit. Auch dieses Jahr, nun ist T. schon satte 22 Jahre alt, verläuft nicht alles nach den Wünschen und Kalkulationen der Verantwortlichen und Fans. Doch eines sollte nach dieser Geschichte deutlich geworden sein: Eines ist sicher, dass bei RWE nichts vorhersagbar sein wird. Vielleicht schaffen wir den Klassenerhalt, vielleicht folgt der Durchmarsch in die Viertklassigkeit oder vielleicht werden wir schon bald wieder Deutscher Meister sein, wer weiß das schon. Doch so oft, wie sich der kleine T. alleine in den Jahren bei und mit RWE irrte (der größte Irrtum war übrigens der BVB), so oft wird er sich auch noch in den nächsten Jahren irren. Doch eine Konstante bleibt: „Oh immer wieder RWE“!

(tp)



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