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23.02.2005 - Ich sach ma ... Zaunfahnen

Die seltsamen Einfälle des Herrn U.

Früher war alles besser. Da hatten wir im Jugendzentrum zwei Automaten, einen mit PEZ und einen mit Afri-Cola, die billigen Jinglers-Jeans mit dem Bimmelglöckchen von C&A waren der letzte Schrei und das Fernsehen kannte nur drei Programme, bevorzugt schwarzweiß. Eine meiner Lieblingsserien im Kinderprogramm war damals "Neues aus Uhlenbusch" im ZDF mit netten Geschichtchen aus einem kleinen Bauerndorf in Norddeutschland, deren wichtigster Nebendarsteller ein leicht trotteliger Briefträger namens Heini war.

Heute gibt es die Premiere-Konferenz, italienische und amerikanische Pornofilme per SMS-Bestellung, das Jamba-Monatspaket. Und immer wieder gibt es auch die bei den RWE-Fans genau so ungeliebte wie kultige Serie "Neues vom Uhlenbroich".

Nein, die hat jetzt nichts mehr mit Fernsehen zu tun, auch nicht mit einem Briefträger namens Heini. Vielmehr dreht es sich um Real-Satire, in der Hauptrolle ein ehemaliger Polizist namens Dieter. Dieter Uhlenbroich.

Dieser Herr, heute als "Sicherheitsbeauftragter" in Lohn und Brot von Rot-Weiss Essen, bringt mit einer Regelmäßigkeit, aber doch meist unvermutet und für alle weiteren Beteiligten überraschend, Klöpse, dass man sich wundern muss. Das Fahnen-Verbot für DDR-Symbole in der Hinserie beim Spiel gegen den FC Energie Cottbus war so eine Nummer. Gibt man heute bei Google "Dieter Uhlenbroich" ein, spuckt die Suchmaschine satte 311 Ergebnisse aus. Die überwiegende Mehrzahl davon beschäftigt sich mit dem Vorfall, den die Berliner Zeitung seinerzeit hämisch "Essener Hallstein-Doktriin" nannte und der ein internationales Medien-Echo fand. Sogar die Moskauer "Prawda" berichtete über die hanebüchene Idee Uhlenbroichs, das Tragen oder Zeigen von DDR-Symbolen im Georg-Melches-Stadion zu verbieten. Eine zweifelhafte Bekanntheit, auf die der Großteil der RWE-Fans liebend gerne verzichtet hätte.


Zaunfahnen in der ehemaligen West bei Heimspiel gegen Saarbrücken


Lange Zeit war es danach ruhig gewesen um den in Ehren ergrauten passionierten Schachspieler. Nun hat er seinen nächsten Zug gemacht: Über einen User im RWE-Fanforum ließ er mitteilen, dass das Aufhängen von Zaunfahnen beim Spiel gegen Wacker Burghausen erstens erst ab 17.30 Uhr, also anderthalb Stunden vor dem Anpfiff, erlaubt sei, und ferner nur noch von Mitgliedern des Ordnungspersonals durchgeführt werden dürfe. Bislang war es so gewesen, dass die Fanclubs ihre Fahnen am Spieltag möglichst frühzeitig an den Zäunen angebracht hatten, um einen halbwegs vernünftigen Platz zu bekommen.

Warum plötzlich dieser Aktionismus? Die Fans jedenfalls hatten sich mit der Jahre lang geltenden Praxis hervorragend arrangiert. Gut, es wird wohl keiner auf die Idee kommen, dass es hier um die Belange der Fans geht. Schließlich ist Herr Uhlenbroich ja nicht Fanbeauftragter, sondern Sicherheitsbeauftragter. Also, spekulierte man im Fan-Lager, soll es wohl um die Sicherheit gehen. Und tatsächlich, auf Nachfrage erläuterte der Überbringer der Uhlenbroichschen Nachricht, man wolle damit verhindern, dass pyrotechnische Gegenstände ins Stadion gelangten.

Hier nun verschluckt sich der Chronist an seinem Mittagsbrötchen. Pyrotechnische Gegenstände? Sind das nicht diese, wie heißen die noch, bengalischen Feuer, die man leider, leider in den vergangenen Jahren im Essener Stadion gar nicht mehr zu Gesichte bekam? Und die werden plötzlich im großen Stil, eingerollt in Zaunfahnen, in die Westkurve geschmuggelt? Man mag es kaum glauben ...

Doch dann kommt im Internet-Forum die Erleuchtung. Um große, böse Bengalfackeln geht es gar nicht. Sondern um die kleinen, gemeinen Wunderkerzen, die die Ultras Essen zum Spiel gegen Trier mitzubringen sich erdreistet hatten. Wie, sind die etwa auch verboten, fragt man sich unweigerlich. Sie sind es, macht ein Blick in diverse Stadionordnungen deutlich. Und Herr Uhlenbroich, so vermutet ein Mitglied der Ultras, glaube wohl noch immer, der Club habe diese Wunderkerzen in der Fahne versteckt in Stadion gebracht. Nun, Glaube kann ja bekanntlich Berge versetzen und wer glaubt, wird selig, sagt man. Wie man allerdings den ganz offenbar bandenmäßig organisierten und schwerst kriminellen Pyroschmuggel unterbinden will, indem man Zaunfahnen, die vor 17.30 Uhr in die Westkurve gehängt wurden, wieder (wie angedroht) abhängen lässt, wird wohl auf immer Herrn Uhlenbroichs ganz privates Geheimnis bleiben.


Auch auswärts Zaunfahnen immer dabei wie hier in Erfurt


Offen bleibt zudem die Frage, wie es die Duisburger an der Hafenstraße geschafft haben, ihre Rauchkerzen unbemerkt von Ordnern und Uhlenbroich in ihren Block zu schaffen. Vermutlich haben sie sich das Zeug einfach von Essenern hineinschmuggeln lassen. Ihr wisst schon - gut verpackt in...

Die Essener Fanszene ist jedenfalls in Wallung. Schnell mehren sich Stimmen, die aus Protest ein generelles Verzicht auf Zaunfahnen beim Wacker-Spiel fordern. Kein Zweifel, dass bei diesem Match zumindest deutlich weniger Fahnen hängen werden als üblich.

Warten wir auf den nächsten Einfall des Herrn U. Vielleicht wird in Kürze das Tragen von Kleidungsstücken untersagt. Denn wer weiß schon genau, was so ein böser Fußballfan alles in der Hosentasche bei sich trägt?

Bis demnächst in diesem Theater!

Ein Update zu diesem Thema: heute Mittag hat Herr U. nach Ankündigung von Protesten eingelenkt und einen Kompromiss erarbeitet: alle Fahnen dürfen nun ab 16:30Uhr in Begleitung eines Ordners aufgehangen werden. Ab 16:15Uhr steht Herr Uhlenbroich am Stadion für Gespräche Zur Verfügung. Bitte diskutiert dort sachlich.

(thm)



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